Abkürzungen in Kirchenbüchern
Kirchenbücher wurden knapp geführt. Wer die Kürzel nicht kennt, liest über die entscheidende Information hinweg — etwa darüber, dass ein Kind unehelich geboren wurde.
Pfarrer schrieben in enge Spalten und sparten Platz, wo es ging. Dazu kam Latein als Amtssprache der katholischen und lange auch der lutherischen Kirche. Das Ergebnis sind Einträge, die auf den ersten Blick fast leer wirken und doch alles enthalten.
Historische Abkürzungen waren nicht überall einheitlich. Die folgende Übersicht dient deshalb als Orientierung; die Bedeutung sollte immer im Zusammenhang des jeweiligen Kirchenbuchs geprüft werden. Die Zeichen, mit denen heutige Stammbäume arbeiten — Sternchen, Kreuz, Doppelring —, stehen gesondert am Ende: Sie gehören zur modernen Darstellung, nicht zwingend zum Original.
Personen und Verwandtschaft
| Kürzel | Auflösung | Bedeutung |
|---|---|---|
| p. / pat. | pater | Vater |
| m. / mat. | mater | Mutter |
| fil. / f. | filius / filia | Sohn / Tochter |
| ux. / uxor | uxor | Ehefrau |
| vid. / Wwe. | vidua / Witwe | Witwe; viduus = Witwer |
| rel. / relict. | relicta / relictus | hinterlassene Witwe / hinterlassener Witwer |
| coni. / conj. | coniuges | Eheleute |
| geb. / née | geborene | Geburtsname der Ehefrau |
| v. / verw. | verwitwete | Name aus einer früheren Ehe |
| illeg. / ill. | illegitimus | unehelich geboren |
| leg. / legit. | legitimus | ehelich geboren |
| sp. ill. | spurius illegitimus | unehelich, Vater unbekannt |
| gem. | gemini | Zwillinge |
Ereignisse und Sakramente
| Kürzel | Auflösung | Bedeutung |
|---|---|---|
| nat. | natus / nata | geboren |
| bapt. | baptizatus | getauft |
| copul. / cop. | copulati | getraut |
| matr. | matrimonium | Ehe, Eheschließung |
| den. / denat. | denatus | gestorben |
| obiit / ob. | obiit | er/sie starb |
| sep. | sepultus | bestattet |
| conf. | confirmatus | konfirmiert oder gefirmt |
| test. / testes | testes | Zeugen, Trauzeugen |
| susc. / lev. | susceptores / levantes | Taufpaten |
| procl. / ban. | proclamationes / banni | Aufgebot vor der Trauung |
Formeln, die leicht überlesen werden
- „in Unehren geschwängert“ oder „unehelich“ — verweist häufig auf ein späteres Vaterschaftsverfahren, das eigene Akten hinterlassen hat.
- „peregrinus“ / „Fremder“ — nicht aus dem Kirchspiel. Ein deutlicher Hinweis, dass die Herkunft woanders zu suchen ist.
- „in domo“ / „Haustaufe“ — getauft zu Hause, meist bei Lebensgefahr des Kindes.
- „sine prole“ (s. p.) — ohne Nachkommen verstorben. Beendet eine Linie eindeutig.
- „ex“ vor einem Ortsnamen — aus diesem Ort stammend.
- „p. t.“ (pro tempore) — zur damaligen Zeit, bezogen auf ein Amt: „p. t. Pfarrer“.
Genealogische Zeichen in Stammbäumen und Transkriptionen
Die folgenden Zeichen sind keine historischen Kürzel, sondern Konventionen der heutigen Genealogie. Sie begegnen in Stammbäumen, Ahnentafeln, Ortsfamilienbüchern und Transkriptionen. Im historischen Original stehen sie nicht zwingend: Wo eine Abschrift ein Sternchen oder ein Kreuz zeigt, kann im Kirchenbuch ebenso gut natus oder sepultus stehen — oder ein ausgeschriebener Satz.
| Zeichen | Bedeutung |
|---|---|
| * | geboren |
| ~ | getauft |
| oo | verheiratet |
| o|o | geschieden |
| o-o | uneheliche Verbindung |
| † | gestorben |
| [] | bestattet |
| ✝ | gefallen |
| (*) | totgeboren |