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Region

Ahnenforschung in Ostfriesland

Emden, Aurich, Leer und Wittmund: eine Region mit zwei Konfessionen, einer kurzen französischen Zeit — und Familiennamen, die bis ins 19. Jahrhundert mit jeder Generation wechselten.

Was wir für Ihre Anfrage brauchen

Für eine erste Einschätzung genügen vier Angaben — so genau, wie Sie sie kennen:

  • Herkunftsort — Dorf, Fehn- oder Moorkolonie, Kirchspiel.
  • Ungefährer Zeitraum — eine grobe Angabe wie „um 1850“ reicht.
  • Eine bekannte Person — Name, dazu Geburts-, Heirats- oder Sterbedaten, soweit bekannt.
  • Vorhandene Dokumente — Familienstammbuch, Urkunden, Briefe oder Fotos.

Wissen Sie, ob die Familie lutherisch, reformiert oder mennonitisch war, schreiben Sie es dazu — warum, steht unten.

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Beitrag

Ostfriesland, das sind heute die Landkreise Aurich, Leer und Wittmund und die Stadt Emden. Für die Familienforschung ist die Region ergiebig, aber sie beginnt spät: Die Kirchenbücher setzen hier oft erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein. Wer weiter zurück will, braucht Steuer- und Gerichtsakten — und die reichen in Ostfriesland teils bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Die eigentliche Hürde liegt aber nicht in den Büchern, sondern in den Namen.

Wer wann zuständig war

Welche Behörde ein Gebiet verwaltete, entscheidet darüber, welche Akten entstanden und wo sie heute liegen. Für Ostfriesland sieht die Reihe so aus:

  • bis 1744 — Grafschaft, später Fürstentum Ostfriesland unter dem eigenen Haus der Cirksena. Das Harlingerland um Esens und Wittmund kam erst um 1600 hinzu und behielt lange eigene Wege, etwa bei den Steuern.
  • 1744–1806 — Preußen, nach dem Aussterben der Cirksena.
  • 1807–1813 — erst Königreich Holland, ab 1810 das französische Kaiserreich. Ostfriesland wird zum Département de l’Ems Oriental; nur das Rheiderland gehört in dieser Zeit zur niederländischen Provinz Groningen. Von 1811 bis in die ersten Monate 1814 entstehen die Zivilstandsregister.
  • 1815–1866 — Königreich Hannover.
  • 1866–1946 — wieder Preußen, als Teil der Provinz Hannover. Seit 1874 führen die Standesämter die Register von Geburt, Heirat und Tod; die Kirchenbücher verlieren ihre amtliche Rolle.
  • ab 1946 — Niedersachsen.
Zwei Konfessionen, zwei Buchreihen Ostfriesland ist nicht einheitlich lutherisch. Der Westen um Emden, die Krummhörn und das Rheiderland ist überwiegend reformiert, der Osten überwiegend lutherisch; dazu kommen Mennonitengemeinden etwa in Norden und Leer. In manchem Ort stehen zwei Kirchen nebeneinander, und jede führte ihr eigenes Buch. Wer nur im einen sucht, schließt leicht, es gebe nichts.

Die Quellen

  • Kirchenbücher und Kirchennebenbücher — lutherisch, reformiert, mennonitisch, katholisch. Die Nebenbücher sind Zweitschriften, die die Pfarrer für die Verwaltung anlegten; im Landesarchiv in Aurich liegen davon über 1.000 Bände. Die frühesten aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sind nur noch als Mikrofiche erhalten, für viele Orte setzen sie erst um 1800 oder später ein. Alle enden 1874.
  • Zivilstandsregister 1811–1814 aus der französischen Zeit — nicht lückenlos überliefert, aber aus genau den Jahren, in denen die festen Familiennamen eingeführt wurden.
  • Standesamtsregister ab 1874, mit Randvermerken zu späteren Heiraten, Scheidungen und Sterbefällen. Achtung: Die Zuständigkeit der Standesämter hat sich mehrfach geändert. Wer im Register seines Dorfes nichts findet, sucht möglicherweise im Register des Nachbarorts, das damals zuständig war.
  • Kontraktenprotokolle — Verkäufe, Eheberedungen, Testamente vom Anfang des 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, danach die Hypothekenbücher bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Sie reichen dorthin, wo die Kirchenbücher noch fehlen.
  • Schatzungs- und Renteiregister — Steuerlisten bis 1800, darunter die Kopfschatzungen von 1719 und 1757, die beide gedruckt vorliegen.
  • Register der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse — seit 1754, mit Angaben zu Besitzern und Erben von Häusern.
  • Auswanderungsquellen — das Landesarchiv in Aurich hat die Auswanderung in die USA von der Mitte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in einem eigenen Verzeichnis erschlossen.
  • Ortssippenbücher — für über 80 Kirchengemeinden ausgewertet, meist vom 17. Jahrhundert bis um 1900. Sie sind der schnellste Einstieg — und eine abgeleitete Quelle, die am Original geprüft werden will.

Wo die Bestände liegen

  • Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Aurich — die Kirchennebenbücher, die Zivilstandsregister, die älteren Standesamtsregister der Landkreise Aurich, Leer und Wittmund und der Städte Aurich und Norden, dazu Kontraktenprotokolle, Hypothekenbücher und Steuerregister. Die Findmittel sind über Arcinsys recherchierbar.
  • Stadtarchive Emden, Leer, Wittmund und Norderney — die älteren Standesamtsregister dieser Orte liegen dort, nicht in Aurich.
  • Kirchengemeinden und ihre Archive — die Original-Kirchenbücher. Welche Reihe wo liegt, unterscheidet sich von Gemeinde zu Gemeinde.
  • Standesämter — die jüngeren Jahrgänge unterliegen Fristen (Geburten 110 Jahre, Heiraten 80, Sterbefälle 30) und liegen bis dahin beim Standesamt.
  • Upstalsboom-Gesellschaft — die Vereinigung für ostfriesische Personenforschung; sie gibt die Ortssippenbücher heraus und unterhält eine Fachstelle für Familienkunde in Aurich.
  • Ostfriesische Landschaft, Aurich — mit der Landschaftsbibliothek und der Historischen Ortsdatenbank Ostfriesland, die die Geschichte der Wohnplätze, Dörfer und Gemeinden erschließt.

Die Besonderheit: Namen, die mit jeder Generation wechseln

In Ostfriesland trug ein Kind lange keinen Familiennamen im heutigen Sinn, sondern den Vornamen seines Vaters: Der Sohn von Jan Hinrichs hieß Hinrich Jansen, dessen Sohn wieder Jan Hinrichs. Jede Generation trägt einen anderen Nachnamen, und dieselben wenigen Vornamen kehren ständig wieder.

Feste Familiennamen kamen erst mit der französischen Zeit: Auf Anordnung Napoleons nahmen die meisten Ostfriesen ab 1811 einen bleibenden Namen an, spätestens ab 1826 musste die alte Namensweise aufgegeben werden. Für die Forschung heißt das zweierlei. Vor 1811 führt die Suche nach einem gleichbleibenden Nachnamen ins Leere. Und um 1811 kann eine Familie scheinbar aus dem Nichts auftauchen — weil sie sich gerade einen Namen gegeben hat.

Fehn, Moor und der Weg nach Amerika

Ein Teil Ostfrieslands wurde erst spät besiedelt. Seit dem 17. Jahrhundert entstanden Fehnkolonien, in denen der Torf abgegraben und das Land danach bewirtschaftet wurde; unter Preußen kamen ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts weitere Moorkolonien hinzu. Ihre Bewohner besaßen oft wenig, zogen häufig um und sind deshalb in den Kirchenbüchern mehrerer Gemeinden zu suchen.

Viele ostfriesische Familien haben Zweige in den USA. Die Auswanderung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lässt sich über das Verzeichnis des Landesarchivs, über Zeitungen und Amtsblätter und auf der anderen Seite über Einwanderungslisten und US-Volkszählungen verfolgen.

Ein typischer Fall (beispielhafte Darstellung)

Eine Linie läuft über die Standesamtsregister und die Kirchenbücher sauber bis in die 1820er Jahre zurück: Gerd Jansen, Arbeiter in einem Fehndorf. Dann bricht sie ab — in keinem Taufbuch der Umgebung findet sich ein passender Gerd Jansen. Gesucht wurde nach dem Nachnamen.

Aufgelöst wird so etwas nicht über den Namen, sondern über den Vater: Jansen heißt „Sohn des Jan“. Gesucht wird also ein Gerd, Sohn eines Jan, der um die passende Zeit getauft wurde — mit Hilfe der Taufpaten, des Wohnorts und, wenn die Familie den Namen 1811 festlegte, der Zivilstandsregister jener Jahre. Ein Ortssippenbuch verkürzt diesen Weg oft erheblich.

Was wir hier belegen können Ostfriesland ist unser jüngster Schwerpunkt. In unserer eigenen Forschungsdatenbank ist die Region bisher schmal vertreten — vor allem mit Orten in Uplengen wie Remels, Jübberde und Firrel, an der Grenze zum Ammerland. Wir arbeiten hier deshalb mit den Quellen und Archiven, die auf dieser Seite stehen, nicht mit einem Vorsprung aus jahrelanger eigener Forschung in der Region. Das sagen wir vorher, nicht hinterher.

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