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Quellen

Auswandererlisten

Zwischen 1820 und 1930 verließen mehrere Millionen Menschen den deutschsprachigen Raum. In vielen Familien finden sich ausgewanderte Zweige — und meistens lassen sie sich wiederfinden.

Beitrag

Die deutsche Auswanderung des 19. Jahrhunderts war eine Massenbewegung. Missernten, Hungerjahre, das Erbrecht der Realteilung, politische Verfolgung nach 1848 und schlicht die Aussicht auf eigenes Land trieben Millionen fort — überwiegend in die Vereinigten Staaten, dazu nach Brasilien, Argentinien, Kanada, Australien und Russland.

Für die Forschung ist das ein Glücksfall: Auswanderung erzeugt Papier. Wer ein Schiff bestieg, wurde in der Regel erfasst — oft zweimal, im Abfahrts- und im Ankunftshafen.

Zu unterscheiden ist allerdings zwischen dem, was damals registriert wurde, und dem, was heute noch vorliegt. Viele Listen sind verloren, nur teilweise erhalten oder bis heute nicht durchsuchbar erschlossen. Welche Bestände für einen bestimmten Hafen und Zeitraum tatsächlich überliefert sind, muss man deshalb jeweils prüfen.

Die Hamburger Passagierlisten

Der wichtigste deutsche Bestand. Sie umfassen die Jahre 1850 bis 1934 und verzeichnen rund fünf Millionen Auswanderer, die über Hamburg ausreisten. Erfasst sind Name, Alter, Beruf, letzter Wohnort und Reiseziel — der letzte Wohnort ist dabei die entscheidende Angabe, weil er die Verbindung zum Kirchspiel herstellt.

Die Listen liegen im Staatsarchiv Hamburg und sind digitalisiert über Ancestry sowie über das Portal der Hamburger Auswandererwelt zugänglich.

Bremen — der große Verlust

Bremen war der zweite große Auswandererhafen, aber die Bremer Passagierlisten wurden aus Platzgründen regelmäßig vernichtet; der Rest verbrannte im Zweiten Weltkrieg. Erhalten sind nur wenige Jahrgänge. Wer eine Bremer Ausreise vermutet, muss den Umweg über die Ankunftslisten nehmen.

Kein Treffer ist kein Gegenbeweis Findet sich ein Name in keiner Liste, beweist das nicht, dass die Person nicht ausgewandert ist. Die Liste kann verloren oder unvollständig sein, der Name verschrieben oder falsch erfasst, die Ausreise über einen anderen Hafen erfolgt. Ein fehlender Treffer ist ein Anlass, weitere Bestände zu prüfen — kein Ergebnis.

Die Ankunftsseite

  • Ellis Island (1892–1954) und Castle Garden (1855–1890) — die New Yorker Ankunftslisten, kostenfrei durchsuchbar. Weil sie unabhängig von der Abfahrtsseite geführt wurden, finden sich hier auch Bremer Auswanderer.
  • US-Volkszählungen ab 1850 — nennen Geburtsland, ab 1900 zusätzlich das Einwanderungsjahr und den Einbürgerungsstatus.
  • Einbürgerungsakten (naturalization records) — enthalten oft den genauen Geburtsort in Deutschland.

Die deutschen Nebenquellen

Auswanderung war genehmigungspflichtig. Wer ging, musste sich abmelden, die Militärpflicht klären und häufig eine Entlassung aus dem Staatsverband beantragen. Nicht jeder hielt sich daran: Wer heimlich ging, hinterließ in diesen Akten keine Spur. Wo das Verfahren eingehalten wurde, entstanden:

  • Auswanderungsakten der Kreis- und Bezirksbehörden in den Landesarchiven
  • Konsenslisten und Entlassungsurkunden aus dem Untertanenverband
  • Einträge in Kirchenbüchern: „nach Amerika verzogen“, oft mit Jahresangabe
  • Zeitungsanzeigen zur Suche nach Erben oder Verschollenen
Namen wandern mit Rechnen Sie damit, dass der Name im Zielland anders aussieht. Müller wird zu Miller oder Mueller, Schmidt zu Smith, Braun zu Brown. Wilhelm heißt fortan William, Johann wird John. Wer nur nach der deutschen Schreibweise sucht, findet den Zweig nicht wieder.

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