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Donauschwäbische Ahnenforschung im Banat

Drei Namen für jeden Ort, vier Amtssprachen in denselben Büchern und Bestände, die heute in vier Staaten liegen. Das Banat ist nicht schwer zu erforschen, weil wenig überliefert wäre — sondern weil man wissen muss, unter welchem Namen man sucht.

Beitrag

Die deutschen Dörfer des Banats sind planmäßige Gründungen. Nach dem Frieden von Passarowitz 1718 fiel das Land an die Habsburger, wurde von Wien aus als Krondomäne verwaltet und in drei großen Wellen besiedelt — den Schwabenzügen von 1722 bis 1726, von 1763 bis 1772 und von 1782 bis 1787. Die Siedler kamen die Donau herunter, in den flachen Kähnen, die man Ulmer Schachteln nannte, und stammten überwiegend aus Lothringen, dem Elsass, der Pfalz, dem Trierischen, Luxemburg, Baden, Schwaben und Österreich.

Für die Forschung ist das ein Glücksfall: Wo eine Behörde ansiedelt, führt sie Listen. Der Weg von einem Banater Dorf zurück in die deutsche Herkunft ist deshalb nicht selten besser dokumentiert als eine gewachsene Dorfgemeinschaft im Reich.

Wer wann zuständig war

  • bis 1716 — osmanische Herrschaft. Für die spätere deutsche Bevölkerung gibt es aus dieser Zeit nichts; die Geschichte der Familien beginnt mit der Ansiedlung.
  • 1718–1778 — habsburgische Krondomäne „Temescher Banat“, unmittelbar von Wien verwaltet. Die Ansiedlungsüberlieferung entstand hier und liegt bis heute überwiegend in Österreich.
  • ab 1778/79 — Eingliederung ins Königreich Ungarn, aufgeteilt auf die Komitate Torontál, Temes und Krassó. Ab jetzt führt die ungarische Komitatsverwaltung die Akten.
  • bis 1872 — der südliche Streifen an der Donau bleibt Militärgrenze unter eigener militärischer Verwaltung, mit eigenen Registern und eigenen Beständen.
  • 1849–1860 — kurzzeitig eigenes Kronland „Woiwodschaft Serbien und Temeser Banat“.
  • ab 1. Oktober 1895 — staatliche Matrikelführung in ganz Ungarn. Von diesem Tag an gibt es zu jeder Geburt, Heirat und jedem Sterbefall einen staatlichen Eintrag neben dem kirchlichen.
  • ab 1920 — der Vertrag von Trianon teilt das Banat: der größere Ostteil zu Rumänien, der Westteil zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen und damit später zu Serbien, ein kleiner Zipfel bleibt bei Ungarn. Seither hängt die Frage, in welchem Nationalarchiv ein Dorf liegt, an einer Grenze von 1920.

Die Quellen

  • Römisch-katholische Matrikel — die Hauptquelle. Die Banater Deutschen waren fast durchgängig katholisch; die Pfarreien beginnen mit der Gründung des jeweiligen Dorfes, also im 18. Jahrhundert.
  • Staatliche Zivilmatrikel ab 1895 — vollständig, gut lesbar, mit Angaben zu Alter, Beruf und Herkunft der Eltern.
  • Ansiedlungslisten und Hofstellenverzeichnisse des 18. Jahrhunderts — sie nennen den Siedler, seine Herkunft, oft das Handwerk und die zugewiesene Hausnummer. Das ist die Brücke zurück nach Deutschland und Frankreich.
  • Konskriptionen und Urbare — Steuer- und Bestandsaufnahmen der Komitate, die ganze Haushalte auflisten.
  • Ortssippenbücher und Heimatbücher — für viele Banater Gemeinden von den Vertriebenen selbst erarbeitet, oft in kleiner Auflage. Sie sind häufig die einzige Auswertung, die es gibt.
  • Verlust-, Deportations- und Lagerlisten der Jahre 1944 bis 1956, geführt von Behörden, Kirchen und Heimatortsgemeinschaften.
  • Aussiedlerunterlagen ab den 1970er Jahren — die Registrierung in der Bundesrepublik nennt Geburtsort und -datum in einer Form, mit der sich die Suche in Rumänien überhaupt erst ansetzen lässt.

Wo die Bestände liegen

  • Arhivele Naționale, Serviciul Județean Timiș in Timișoara — die Kreisarchive für den rumänischen Teil, mit Matrikeln und Komitatsakten.
  • Magyar Nemzeti Levéltár in Budapest — die ungarische staatliche Überlieferung und die Zivilmatrikel ab 1895.
  • Arhiv Vojvodine in Novi Sad — für die Orte, die 1920 zu Jugoslawien kamen.
  • Österreichisches Staatsarchiv, Wien — die Ansiedlungsüberlieferung der Hofkammer aus der Zeit der Krondomäne.
  • Diözesanarchiv Temeswar — kirchliche Überlieferung der Pfarreien.
  • Verfilmungen — ein erheblicher Teil der Matrikel und der ungarischen Zivilregister ist mikroverfilmt und ohne Reise einsehbar. Das erspart in vielen Fällen die Anfrage vor Ort.
  • Einrichtungen in Deutschland — das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen, das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm und die Arbeitskreise der donauschwäbischen Familienforscher halten Ortssippenbücher, Bildbestände und Nachlässe.
Ein Ort, drei Namen Hatzfeld heißt auf Ungarisch Zsombolya und auf Rumänisch Jimbolia. Wer im rumänischen Archivkatalog nach „Hatzfeld“ sucht, findet nichts — und schließt daraus, es sei nichts überliefert. Dieselbe Falle stellt jeder Ort im Banat. Der erste Arbeitsschritt jeder Recherche ist deshalb kein Archivbesuch, sondern die Namenskonkordanz: deutsch, ungarisch, rumänisch oder serbisch, dazu die Schreibweisen vor und nach 1920.

Was hier anders zu lesen ist

  • Der Sprachwechsel in denselben Büchern. Die Matrikel beginnen lateinisch, wechseln im Lauf des 19. Jahrhunderts ins Ungarische und nach 1920 ins Rumänische. Eine Familie durchläuft also drei Amtssprachen — und ihre Namen mit ihr.
  • Magyarisierte Namen. Um 1900 wurden Familiennamen ungarisiert, teils freiwillig, teils im Behördengebrauch. Derselbe Mann kann im Taufbuch deutsch und im staatlichen Register ungarisch stehen.
  • Vornamen in Landessprache. Johann wird zu János und zu Ioan, Elisabeth zu Erzsébet. Wer nach der deutschen Form filtert, übersieht die Hälfte der Einträge.
  • Zwei Kalender nebeneinander. Die katholischen Bücher rechnen gregorianisch, die orthodoxen Nachbargemeinden bis ins 20. Jahrhundert julianisch. Bei Mischehen und bei serbischen Quellen ist zu prüfen, welcher Kalender gemeint ist.
  • Die Brüche von 1944 bis 1956. Flucht vor der heranrückenden Front, im Januar 1945 die Verschleppung Arbeitsfähiger zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion, in Jugoslawien die Lager, in Rumänien die Verschickung in den Bărăgan zwischen 1951 und 1956. Familien wurden auseinandergerissen, Unterlagen blieben zurück. Wer eine Linie in diesen Jahren verliert, hat meist nicht schlecht gesucht — es fehlt der Eintrag.

Ein typischer Fall

Eine Familie in Hatzfeld: Der Taufeintrag von 1846 steht lateinisch, der Traueintrag von 1878 ungarisch, der staatliche Sterbeeintrag von 1901 ebenfalls ungarisch — mit ungarisierter Namensform. Die Nachkommen kamen 1990 als Aussiedler nach Deutschland und wussten den Ort nur als „Hatzfeld“.

Die Kette entsteht in dieser Reihenfolge: Aussiedlerunterlagen liefern Ort und Datum in rumänischer Schreibweise, damit findet man das staatliche Register ab 1895, von dort rückwärts die katholischen Matrikel, und die Ansiedlungsliste von 1766 nennt schließlich, aus welchem Dorf der erste Siedler kam — häufig aus Lothringen oder dem Trierisch-saarländischen Raum. Der Bogen schließt sich dort, wo eine andere unserer Regionen anfängt.

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