Adressbücher als Quelle
Zwischen Geburt und Tod liegen Jahrzehnte, über die kein Register etwas sagt. Adressbücher füllen genau diese Lücke — Jahr für Jahr.
Ein Adressbuch verzeichnet die Haushaltsvorstände einer Stadt mit Namen, Beruf und Wohnadresse, häufig geordnet nach Namen, nach Straßen und nach Berufsgruppen. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen sie in fast jeder deutschen Stadt, meist jährlich.
Für die Genealogie sind sie deshalb wertvoll, weil sie eine Reihe bilden. Ein einzelner Eintrag sagt wenig. Zwanzig Jahrgänge nebeneinander erzählen einen Lebenslauf.
Was sich daraus ablesen lässt
- Wann jemand zuzog. Der erste Jahrgang mit dem Namen grenzt den Zuzug auf ein Jahr ein — und damit die Frage, wo vorher zu suchen ist.
- Beruflicher Aufstieg. Vom „Geselle“ über „Schuhmacher“ zum „Schuhmachermeister“ mit eigener Werkstatt — drei Zeilen, dreißig Jahre.
- Der Todesfall. Wenn in einem Jahrgang plötzlich „Wwe.“ vor dem Namen steht, ist der Ehemann im Vorjahr gestorben. Das grenzt die Suche im Sterberegister auf zwölf Monate ein.
- Verwandtschaft am selben Ort. Mehrere Träger desselben Namens unter derselben Adresse sind fast immer Familie.
- Der Wegzug. Wenn ein Name verschwindet, ohne dass ein Sterbeeintrag existiert, ist die Familie fortgezogen — ein Hinweis, der sonst nirgends steht.
Wo man sie findet
Sehr viele Adressbücher sind digitalisiert und frei zugänglich:
- Das Adressbücher-Portal des Vereins für Computergenealogie — die zentrale Übersicht, welche Bände wo digital vorliegen.
- Die Digitalisatportale der Staats- und Landesbibliotheken — etwa die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, die für Berliner Adressbücher von 1799 bis 1970 eine vollständige Reihe online stellt.
- Stadtarchive — halten fast immer die vollständige örtliche Reihe, auch wo nichts digitalisiert ist.
Verwandte Verzeichnisse
Neben den Adressbüchern lohnen sich Branchen- und Gewerbeverzeichnisse, Handwerkskammer- und Innungslisten sowie die Einwohnermeldekarteien der Stadtarchive. Letztere sind besonders ergiebig, weil sie Zu- und Wegzüge mit genauem Datum und Zielort festhalten — sie unterliegen allerdings Schutzfristen.