Zeitungen als Quelle
Register halten fest, dass jemand starb. Zeitungen halten fest, wer ihn betrauerte — und nennen dabei oft Angehörige mit Namen.
Zeitungen gehören zu den wichtigsten nichtamtlichen Quellen der Familienforschung. Anders als Personenstands- oder Kirchenregister dokumentieren sie nicht nur Daten, sondern häufig auch das soziale Umfeld einer Person: Angehörige, Berufe, Vereine, Ereignisse und Lebensumstände.
Gerade Familienanzeigen, Traueranzeigen und Nachrufe können deshalb Informationen enthalten, die in amtlichen Registern nicht oder nur teilweise überliefert sind.
Was ergiebig ist
Familienanzeigen
Geburts-, Verlobungs-, Hochzeits- und Jubiläumsanzeigen. Sie nennen häufig beide Familien, den Wohnort und den Beruf — und bei goldenen Hochzeiten gelegentlich einen Rückblick, der Herkunft und Lebensweg erzählt.
Traueranzeigen und Nachrufe
Die ergiebigste Gattung überhaupt. Traueranzeigen und Nachrufe können Angehörige, Wohnorte und familiäre Beziehungen nennen. Sie bilden eine Familie jedoch nicht zwingend vollständig ab. Häufig genannt werden etwa die Witwe mit Geburtsnamen, Kinder mit Ehepartnern und Geschwister — wer fehlt, kann verstorben, zerstritten oder schlicht nicht aufgeführt sein. Für Familien, deren Kinder in andere Städte gezogen sind, ist eine Traueranzeige oft der einzige Nachweis, dass es sie überhaupt gab.
Amtliche Bekanntmachungen
Aufgebote vor der Eheschließung, Nachlass- und Erbenaufrufe, Konkurs- und Zwangsversteigerungsanzeigen, Aufforderungen an Verschollene. Erbenaufrufe sind besonders wertvoll, weil sie Verwandtschaftsverhältnisse ausdrücklich benennen.
Lokalberichte
Unfälle, Brände, Gerichtsverhandlungen, Vereinsnachrichten, Schützenfeste, Wahlergebnisse. Hier findet man die Umstände, unter denen die Vorfahren lebten — und gelegentlich einen Namen im Zusammenhang, der eine ganze Geschichte erklärt.
Wo man digital sucht
- Deutsche Digitale Bibliothek — mit dem Deutschen Zeitungsportal, das Millionen digitalisierter Zeitungsseiten im Volltext durchsuchbar macht. Der beste Einstieg.
- ANNO — AustriaN Newspapers Online der Österreichischen Nationalbibliothek, kostenfrei, für den österreichischen Raum unverzichtbar.
- ZEFYS und die Zeitungsportale der Staatsbibliotheken.
- e-newspaperarchives.ch für die Schweiz.
Die richtige Erwartung
Zeitungsrecherche ist Glückssache und lässt sich schlecht kalkulieren. Sie eignet sich hervorragend, um eine bekannte Person auszuleuchten, und schlecht, um eine unbekannte zu finden. Sinnvoll wird sie meist erst dann, wenn Datum und Ort bereits feststehen — dann führt sie oft zum eindrucksvollsten Fund einer ganzen Recherche.